Auf Degu-Tour im Burgund - Der Jahrgang 2016: Goldene Tropfen!

Meine Produzentenbesuche im Burgund Ende Januar waren fast ganz dem Jahrgang 2016 gewidmet. Ich besuchte in 4 Tagen 15 Domaines und degustierte rund 200 Weiss- und Rotweine des absolut beeindruckenden Jahrgangs 2016 (sowie einige Fassproben 2017). Die ausführlichen Berichte und Beschreibungen der einzelnen Weine erscheinen Ende März (Weissweine) und Ende April (Rotweine) mit unseren traditionellen Vorbestellungsangeboten des Jahrgangs 2016.

Der generelle Eindruck zu den Weinen des Jahrgangs 2016 unserer Produzenten in der Côte Chalonnaise, Côte de Beaune und Côte de Nuits:

  • Rot: super Pinot Jahrgang, meist wunderbare Terroirtransparenz, erstaunliche Struktur und Tiefe - für alle echten Freaks ein Top-Jahrgang.
  • Weiss: tolle Frucht, ziseliert, präzis, frisch, ausgezeichnete Länge, Trinkspass 20 Punkte!

Von den vielen Highlights möchte ich im Folgenden drei Begegnungen und Degustationen speziell hervorheben:

Didier Larue (Saint-Aubin): Als ich um 17 Uhr im verschlafenen Weiler Saint-Aubin eintraf, begrüsste mich Didier in aufgeräumter Stimmung. Er freue sich sehr, mit mir als erstem Weinhändler die 2016er nach der Abfüllung zu degustieren und sei gespannt auf meine Eindrücke. Dieses in der Schweiz immer noch nahezu unbekannte Weingut produziert seit Jahren tolle und äusserst preiswerte Weissweine, die es ohne weiteres mit Crus der viel höher kotierten Nachbargemeinde Chassagne Montrachet aufnehmen können. Didier und sein Bruder Denis mit dessen Sohn Bruno pflegen hier Top Premier Cru-Lagen und produzieren Chardonnay in einem reintönigen Stil mit einer Terroirtransparenz, die insbesondere 2016 jedes Burgunder-Herz höher schlagen lassen. Besonders stechen dieses Jahr die komplexe Frucht, die Reinheit und die Frische sowie die bereits grosse Zugänglichkeit hervor. Ich habe den Eindruck, die Weine von Didier werden von Jahr zu Jahr noch konstanter und präziser. St. Aubin Vieilles Vignes, Premier Cru En Murgers des Dents de Chien und En Remilly oder ein Puligny Montrachet 1er Cru La Garenne alle zu Preisen, die bei der Preisexplosion der letzten Jahre im Burgund erschwinglich geblieben sind.

Jean-Marc Pillot (Chassagne-Montrachet): Wer Jean-Marc Pillot in Chassagne Montrachet nie getroffen hat, verpasst eine der ganz grossen Persönlichkeiten im Burgund. Seit 20 Jahren pflegen wir einen freundschaftlichen Kontakt und seine Leidenschaft zu Reben und Wein ist extraordinaire. Es gibt viele Perfektionisten im Burgund, aber was Jean-Marc in seinem Metier immer wieder antreibt, ist bewundernswert. Nicht links und rechts schauend, nicht auf den schnellen Profit aus, referiert er über seine Hingabe zum Pinot Noir, obwohl er doch eigentlich der Chardonnay-Spezialist schlechthin ist. Da, wo andere die alten Pinot Noir Rebstöcke aus kommerziellen Gründen mit Chardonnay ersetzen, macht er es genau umgekehrt, denn: Schon in der "Burgunder-Bibel" von Dr. Lavalle Ende 19. Jh. sind die Bodeneigenschaften der besten Lagen für Pinot Rebstöcke genau verzeichnet und das ist für Jean-Marc massgeblich. Einige seiner Winzerkollegen geben offen zu, dass er wohl der beste Winzer in der Côte de Beaune sei, der beide "Farben" auf höchstem Niveau produziere, "mais on ne parle pas"..... glücklicherweise kann ich da nur sagen. Denn so erhalten wir seit über 15 Jahren diese genialen Weine zum exklusiven Vertrieb in der Schweiz. Fast alle meine Notizen zu den 2016er enden mit Begriffen wie très fin, d'énérgie, aerien, complexe, équilibre, très pur, longue - dieses Jahr eine wahrlich emotionale Degustation (übrigens zusammen mit Bill Nanson, einem der besten Burgunder-Kenner unter den Weinjournalisten)! Highlights: Montagny Les Gouresses, Chassagne-Montrachet Morgeot Fairendes, Chassagne-Montrachet Les Caillerets, Chassagne-Montrachet Clos Saint Jean (rot)

Sophie Noëllat (Vosne-Romanée): Mein Besuch auf der Domaine Michel Noëllat et Fils stand unter einem "guten, jungen Stern": Erstmals führte mich mit Sophie, die Tochter von Alain und Isabelle Noëllat, die 6. Generation durch die Degustation. Sie übernimmt nun mehr und mehr Aufgaben zusammen mit Sébastien, dem Sohn von Alains Bruder Jean-Marc, auf dem Weingut. Die Vinifizierung wird nach wie vor von Jung und Alt gemeinsam gemacht, doch irgendwie hatte ich den Eindruck, hier weht eine neuer, frischer Wind. Jedenfalls machte ich Sophie am Schluss der Degustation ein grosses Kompliment für ihre gewandte Führung, die echte Neugier auf meine Einschätzungen und vor allem die Brillanz der Weine 2016, die meist kurz vor der Abfüllung einen blenden Eindruck hinterliessen. Dies ist einerseits der ausserordentlichen Qualität des Jahrgangs geschuldet, aber auch der Anpassung kleiner Details in Vinifikation und Ausbau. Die Jahrgänge 2009 und 2010 zeigen sich zwar heute in einer super Verfassung und 2012, 2014 und 2015 werden folgen. Doch der Fruchtkomplex, der defensive Einsatz neuer Barriques, die Eleganz und Ausgewogenheit der 2016er sind äusserst beeindruckend und vielversprechend. Highlights: Vosne-Romanée Les Suchots, Vosne-Romanée Les Beaux-Monts, Echézeaux, Clos de Vougeot.

Noch ein letztes Wort zu den "Goldenen Tropfen" 2016: super Qualität, z.T. äusserst rar und nur in kleinsten Mengen, weiter steigende Preise für 1er und Grand Cru.

Zurück